54 1. Dezember 2020

Ausgabe 54

  • NEU: Anträge auf Neufestsetzung von Körperschaft- und Einkommensteuer-Vorauszahlungen für 2020 können noch bis zum 3112. 2020 eingebracht werden – vorzugsweise elektronisch (normalerweise nur bis 30. 9. möglich).
  • Anträge auf Arbeitnehmerveranlagung, Energieabgabenvergütung usw. für das Jahr 201sind noch bis 3112. 2020 möglich.
  • Investitionen vor Jahresende: Geringwertige Wirtschaftsgüter dürfen bis zu 800 Euro kosten, Anlagegüter müssen in Betrieb genommen werden, damit noch eine halbe Abschreibung möglich ist.
  • Für Investitionen ab dem 1. 7. 2020 ist eine degressive Abschreibung möglich!
  • Registrierkasse: Der Jahresbeleg ist immer am 31.12. zu erzeugen,
    auszudrucken und zu prüfen.
  • Weihnachtsfeier, Weihnachtsgeschenke
    und Absagen:
    Viele Kunden entschließen sich,
    a) die Weihnachtsfeier abzusagen,
    b) keine Kundengeschenke und
    c) keine Mitarbeitergeschenke
    zu verteilen. Alternativ könnte man
    die COVID19-Prämie für Mitarbeiter nutzen oder an begünstigte Organisationen spenden.
  • Kleinunternehmerregelung: Die Grenze von 35.000 Euro Jahresnettoumsatz für die USt kann einmal in fünf Jahren um bis zu 15 % überzogen werden.
  • Inventur ist am 31. 12. 2020 zu machen – wenn dies für die Buchhaltung vorgeschrieben ist. Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich durch Wareneinkauf im Dezember, Abwertungsmethode, Saisonware …
  • Einnahmen/Ausgaben-Rechner können den Gewinn 2020 durch Bezahlung von Rechnungen und Sozialversicherungsbeiträgen zusätzlich beeinflussen.
  • Wertpapiere-Gewinnfreibetrag! Bei einem Gewinn von über 30.000 Euro im Jahr 2020 gibt es (unverändert) den Gewinnfreibetrag. Notwendig ist der Kauf von Sachanlagen oder §14 –Wertpapieren.
  • Kapitalertragsteuer–Optimierung: Gewinne bei Wertpapieren unterliegen der KESt, Verluste können gegengerechnet werden. Der Betrachtungszeitraum ist immer das Kalenderjahr. Es kann daher sinnvoll sein, noch Wertpapiere zu verkaufen, mit denen Sie im Plus oder Minus sind, je nachdem, ob Sie bereits Gewinne oder Verluste realisiert haben. Befinden sich die Wertpapiere in verschiedenen Depots, ist ein depotübergreifender Verlust­ausgleich möglich.
  • Covid19-Rücklage: Für 2019 kann eine Covid19-Rücklage von bis zu 30 % des Gewinns gebildet werden, wenn die Vorauszahlungen Null betragen oder in Höhe der Mindest-KöSt festgesetzt werden. Eine Rücklage von 60 % ist möglich, wenn im Jahr 2020 oder 2020/21 (abweichendes Wirtschaftsjahr) ein Verlust zu erwarten ist und dieser glaubhaft gemacht wird. Möglich ist auch noch die rückwirkende Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019 und ein Verlustrücktrag von 2020 bzw. 2020/21 auf 2018, 2019 und 2019/20 (abweichendes Wirtschaftsjahr).

In Österreich gibt es 40 Finanzämter (gefühlt noch mehr). Ab 1. 1. 2021 gibt es nur mehr ein bundesweit tätiges Finanzamt mit lokalen Dienststellen! Dazu kommt ein Finanzamt für Großbetriebe und eines für die „schweren Jungs“ (Finanzstrafangelegenheiten und finanzpolizeiliche Ermittlungen). Die neun Zollämter kommen in ein Zollamt Österreich.

Auswirkungen? Für den Steuerpflichtigen und den Steuerberater wenig.
War es mit der Frist eng und hatte man irrtümlich an das falsche Finanzamt adressiert, war die Frist weg … Das wird (um etwas Positives hervorzustreichen) nun leichter, da jeder Standort zum Finanzamt Österreich gehört.

Dafür ist es schon jetzt schön, wenn man „am Finanzamt“ anruft, denn man landet in irgendeinem Finanzamt irgendwo in Österreich (es sind ja alle Akten elektronisch usw.).

In Zukunft soll eine „ressourcenorientierte Arbeitsverteilung“ erfolgen. Zu vermuten ist, dass damit die Akten aus der Großstadt auf ganz Österreich verteilt werden.

Die Zuständigkeit des FA Großbetriebe ist ab 10 Millionen Umsatz gegeben.

Die Finanzämter sind also künftig Dienststellen.

Das bisherige Finanzamt Lilienfeld – St. Pölten wird mit dem bisherigen Finanz­amt Neunkirchen – Wiener Neustadt zur Dienststelle Niederösterreich Mitte. Gänserndorf – Mistelbach wird mit Hollabrunn – Korneuburg – Tulln zur Dienststelle Weinviertel. Damit gehören z. B. die Steuerpflichtigen aus Zwentendorf und Reidling zum Weinviertel, das Wechselgebiet zu Niederösterreich Mitte … Ein persönliches Erscheinen am Finanzamt ist aber ohnehin nicht gewünscht; Ziel ist, dass der gesamte Amtsverkehr elektronisch erfolgt und nur zu den Prüfungen die Steuerpflichtigen (auf)gesucht werden.

Bei Ihren speziellen Fragen stehen wir Ihnen stets gerne zur Verfügung.

Mit vielen guten Wünschen für ein trotz allem frohes Weihnachtsfest und ein weniger Corona-dominiertes und von Gesundheit getragenes Jahr 2021!

Die wichtigste Frage im Steuerrecht: Wann ist etwas steuerlich abschreib- oder absetzbar? Der Grundsatz ist, dass alles, was beruflich oder betrieblich veranlasst ist, steuerlich auch abgesetzt oder abgeschrieben werden kann.

Um Unklarheiten zu beseitigen und klarzustellen, dass der private Lebensbereich bei der Einkommensteuer sozusagen „aussen vor“ ist, hat der Gesetzgeber ein umfangreiches Regelwerk im Paragraf 20 des Einkommensteuergesetzes geschaffen. Und hier ist festgehalten, was alles nicht absetzbar ist:

  • Ausgaben für den privaten Haushalt und den Unterhalt der Familie
  • Ausgaben für die Lebensführung, auch wenn die wirtschaftliche oder gesellschaft­liche Stellung diese mit sich bringen und sie dem Beruf dienen
  • das Luxusleben(!) im Zusammenhang mit Autos (der Luxus beginnt ab 40.000 Euro), Flugzeugen, Motorbooten, Jagden, Teppichen und Antiquitäten
  • unangemessen hohe Reisekosten
  • Arbeitszimmer im Wohnungsverband
  • Repräsentationsaufwendungen, so auch die Bewirtung von Geschäfts­freunden (mit wenigen Ausnahmen)
  • Strafen und Diversionszahlungen
  • Geld- und Sachgeschenke, wenn die Annahme mit einer gerichtlichen Strafe bedroht ist (Bestechung, Schmiergeld …)
  • Gehälter über 500.000 Euro pro Jahr
  • freiwillige Abfertigungen, die nicht dem 6 %-Steuersatz unterliegen
  • bar bezahlte Bauleistungen
    über 500 Euro

Weiters ist im „Zwanziger“ geregelt, dass keine Ausgaben abgesetzt werden dürfen, wenn diese mit steuerfreien Einnahmen in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Im System der Einkommensteuer gibt es auch noch die Besonderheit, dass bei Fixsteuer­sätzen (Kapitalertragsteuer von 25 % oder 27,5 %, Immobilienertragssteuer von 4,2 % oder 18 %) keine Ausgaben abgezogen werden dürfen!

Im österreichischen Rechtssystem gibt es eine Vielzahl von Beteiligungsmöglichkeiten.
Eine davon (die allerdings wenig genutzt wird) ist die Unterbeteiligung an Kapitalanteilen. Man beteiligt sich an einer Beteili­gung. Beispiel: Sie sind mit 30 % an einer Kapitalgesellschaft beteiligt. Ein Geschäftspartner will sich ebenfalls beteiligen, und Sie vereinbaren eine Unterbeteiligung von 10 %-Punkten an ihrer 30 %-Beteiligung.

Bei einer Unterbeteiligung handelt es sich um ein Dauerschuldverhältnis, es wird eine Quote an der Beteiligung eingeräumt, ohne dass das Mitgliedschaftsrecht tatsächlich übertragen wird. Es handelt sich um eine Innengesellschaft, der Unterbeteiligte hat nur ein Rechtsverhältnis zum Beteiligten und erwirbt keine Rechte oder Pflichten zur Hauptgesellschaft. Anwendungsfälle: wenn z. B. die Übertragung von Gesellschaftsanteilen zustimmungspflichtig ist, bei Erbteilungen, Regelung von Pflichtteilsansprüchen usw. Steuerlich wird die Unterbeteiligung anerkannt, wenn im Innenverhältnis die Stimmrechtseinräumung erfolgt.

Dezember 2020

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