COVID-19

Hier finden Sie eine Zusammenfassung sämtlicher COVID-19 Informationen aus unseren Steuertipps.

1. August 2020, Auszug aus Tipp 52

  1. Covid19-Prämie bis zu 3.000 Euro je Mitarbeiter im Jahr 2020; steuerfrei, sozialversicherungsfrei, kein DB, DZ und KommSt; keine Abgeltung von Arbeitsstunden oder Urlaub etc. Dies gilt nur dann, wenn es sich um eine Prämie für / im Zusammenhang mit Covid19 handelt. Mitarbeitergruppen / Berechnungsmodus usw. dokumentieren, damit es bei der Prüfung (in den nächsten Jahren) kein böses Erwachen gibt!
  2. Investitionsförderung für Investitionen ab 1. 8. 2020 bis 28. 2. 2021; Zuschuss in Höhe von 7 % oder 14 % der Anschaffungskosten (im Bereich Digitalisierung, Ökologisierung und Gesundheit / Life-Science) von materiellen und immateriellen Wirtschaftsgütern. Diese müssen neu sein, aktivierungspflichtig, und die ersten Maßnahmen dürfen erst ab 1. 8. 2020 gesetzt werden! Nicht gefördert werden unbebaute Grundstücke, Finanzanlagen und Unternehmenskäufe. Ebenso ausgeschlossen sind klimaschädliche Investitionen. Anschaffungs- / Herstellungszeitpunkt zählt.
  3. Degressive Abschreibung von 30 % für Investitionen ab 1. 7. 2020: Das bedeutet, dass vom Restbuchwert immer 30 % abgeschrieben werden können.
  4. Sonderabschreibung für Gebäudeinvestitionen: Im 1. Jahr kann die dreifache Abschreibung, im 2. Jahr die doppelte angesetzt werden. Gilt ebenfalls für Investitionen ab 1. 7. 2020.
  5. Steuersatzreduktion der ersten Tarifstufe von 25 % auf 20 %
  6. Verlustrücktrag bis zu einem Verlust von 5 Mio. Euro aus 2020 auf 2018 und 2019
  7. Landwirte: Ergebnisse können auf drei Jahre aufgeteilt werden, die Buchführungsgrenze wird auf 700.000 Euro Umsatz angehoben. Es entfallen die Einheitswertgrenzen für die Buchführungspflicht und eine Reihe von Nebenmaßnahmen, womit das Steuerleben für Landwirte erleichtert wird.
  8. Stundungen beim Finanzamt auf Grund von Covid19 werden automatisch bis 15. 1. 2021 verlängert.

Die Senkung des Umsatzsteuersatzes auf 5 % wurde am 23. 7. 2020 im Bundesgesetzblatt 267/2020 veröffentlicht. Der Überblick: Was ist betroffen?

  • Verabreichung von Speisen und Ausschank von Getränken
    im Rahmen der Gewerbeberechtigung Gastronomie
  • Bücher und Zeitschriften
  • Beherbergung in eingerichteten Räumen und Campingplätzen
  • elektronische Publikationen
  • Künstler, Kino, Theater, Zirkus, Musik usw.

Der Zeitraum der Ermäßigung ist 1. 7. 2020 bis 31. 12. 2020. Ermäßigt sind jene Umsätze, die in diesem Zeitraum ausgeführt werden. Vorsicht daher bei Gutscheinen, Vorauszahlungen usw., es gilt der Leistungszeitraum!

(Verlautbart am 23. 7. 2020 für Umsätze ab 1. 7. 2020!)

Es gibt eine auf den ersten Blick großzügige Erlass-Erledigung zur Frage, was bei der Registrierkasse zu tun sei: Es reicht eine textliche Angabe auf dem Registrierkassenbeleg. Der Erlass sieht folgende vier Möglichkeiten vor:

  1. Neues Symbol, z. B. „Z“. Anmerkung auf dem Registrierkassenbeleg: „Z“, Nettobetrag und Umsatzsteuer auf Bon mit 10 % und 20 % ungültig, korrekt 5%.
  2. Es wird nur ein Produkt mit 5% Umsatzsteuer verkauft: „Nettobetrag und Umsatzsteuer auf Bon für Produkt WWW mit 10 % ungültig, korrekt 5%.“
  3. Die Reduktion gilt für alle Artikel, die bisher mit 10 % verkauft wurden: „Netto­betrag und Umsatzsteuer auf Bon für Artikel mit 10 % Umsatzsteuer ungültig, korrekt 5%.“
  4. Die Ermäßigung von 5% ist auf mehrere Artikel mit unterschiedlichen Steuersätzen anzuwenden (z. B. Gastronomie, Beherbergung). Es genügt: „Nettobetrag und Umsatzsteuer auf Bon ungültig für jene Artikel, die dem ermäßigten Steuersatz von 5% unterliegen; korrekt 5%.“

Die Variante d) ist wohl die Top-Variante, wenn keine Umstellung / Erweiterung der Registrierkasse erfolgt.

Die Rechnungsausstellung: unverändert! Bei Kleinbetragsrechnungen bis 400 Euro Rechnungsbetrag genügen Bruttobetrag und Steuersatz. Bei darüber hinausgehenden Rechnungen müssen unverändert „Nettobetrag“ und „Steuer“ ausgewiesen werden, damit dieser Beleg als Rechnung gilt (z. B. Registrierkassenbeleg als Rechnung).

Eine Rechnungsberichtigung ist unverändert im Nachhinein möglich!

Empfehlung: Verlässliche Informationen zu aktuellen Maßnahmen, Vorschriften, Verordnungen usw. finden Sie auf den offiziellen Internetseiten der Ministerien sowie in der Rechtsdatenbank „Rechtsinformation des Bundes“ https://www.ris.bka.gv.at/.

Alles andere sind Meinungen, Gerüchte, Politik-Aussagen.

Vieles, was lange nicht möglich war, einfache und zinsfreie Stundungen bei Finanzamt und Gesundheitskasse (früher Krankenkasse), ist jetzt ganz einfach. Viele Fristen sind gestreckt. Das Finanzamt veranlagt derzeit nur Guthaben! Kommt es durch den Jahresbescheid zu Nachzahlungen, bleibt die Veranlagung liegen. Ebenso werden keine Ersuchen um Ergänzung (umgangssprachlich „Vorhalt“) ausgesendet. Das heißt, Erklärungen, zu denen es Nachfragen gibt, bleiben ebenso liegen.

So verlockend vieles ist – Sie sind als Unternehmer gefordert, den Überblick zu bewahren. Eine Liquiditätsplanung ist daher ganz wichtig. Höhepunkte beim Liquiditätsbedarf werden die Weihnachtsgelder sowie die Termine sein, an denen Finanzamts- und Gesundheitskassen-Stundungen auslaufen.

Sogenannte Non-Profit-Organisationen (NPO) sowie freiwillige Feuerwehren und gesetzlich anerkannte Kirchen erhalten einen nicht rückzahlbaren Zuschuss. Dieser setzt sich aus einem Struktursicherungsbeitrag und förderbaren Kosten zusammen. Die Förde­rungshöhe beträgt zwischen 500 und 2.400.000 Euro. Förderbare Kosten sind Mieten und Pachten, Versicherungsprämien, Zinsen, Kosten für Rechnungswesen und Bestätigungskosten, Lizenzen, Betriebskosten, Energie, Telekommunikation… sowie frustrierte Aufwendungen (z. B. aufgrund der Absage von Veranstaltungen). Leistungen von Versicherungen, z. B. Betriebsunterbrechungsversicherungen, sind abzuziehen.

Der Struktursicherungsbeitrag beträgt 7 % der Einnahmen 2019 oder des Durchschnitts aus 2018 und 2019.

Die Unterstützung ist mit dem Einnahmenausfall der ersten drei Quartale 2020 im Vergleich mit 2019 (bzw. Mittelwert 2018 und 2019) begrenzt.

Die Beantragung ist bis 31. 12. 2020 vorzunehmen. Wird der Antrag ab dem 1. 10. 2020 gestellt, müssen die tatsächlichen Werte angegeben werden. Die Einreichung erfolgt über www.npo-fonds.at .

Internet: www.bmko-es.gv.at oder www.svs.at, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 64/2020. Antragstellung bis 31. 12. 2020 möglich. Gewährt wird eine Einmalzahlung in Höhe von maximal 6.000 Euro.
Der Härtefallfonds der Wirtschaftskammer wird angerechnet, die Soforthilfe wird nicht angerechnet. Die Zahlung ist steuerfrei und kein Teil der GSVG-Beitragsgrundlage.

Für wen gibt es diese Möglichkeit? Für Personen, die am 13. März als Künstler in der gewerblichen Sozialversicherung pflichtversichert waren.

Es gibt für diese Umsätze eine Reduktion des Umsatzsteuersatzes auf 10% (statt 20%) für Umsätze zwischen 1.7. und 31.12.2020.
Auch Kaffee und Tee werden berücksichtigt.

Beispiele: Fanta am Würstelstand, alkoholfreies Bier im Becher bei einer Veranstaltung, Mineral in der Kantine, Automatenkaffee, Kaffee beim Bäcker, offenes alkoholfreies Getränk im Tankstellenshop …

Der Apfelsaft g’spritzt kann daher 5% Umsatzsteuer (Gastronomie), 10% Umsatzsteuer (in der Kantine) oder 20% Umsatzsteuer (Kauf im Handel) auslösen …

1. Juni 2020, Auszug aus Tipp 51

Viele Kunden können das Wort Corona/Covid-19 nicht mehr hören. Dennoch! Als Unternehmer sind Sie mehr denn je und weiterhin gefordert, Entscheidungen zu treffen. Eine wesentliche Aufgabe des Unternehmers besteht darin, die Überlebensfähigkeit in der Zukunft herzustellen.

Unternehmer können mit Unsicherheit umgehen. Es gibt Erwartungen über mögliche Entwicklungen. Zu diesen Erwartungen gibt es Eintrittswahrscheinlichkeiten. Betriebswirtschaft und Entscheidungstheorie stellen Kalkulationsmodelle zur Verfügung. Damit lassen sich Erwartungswerte errechnen. Auf Basis dieser Erwartungswerte lassen sich rationale Entscheidungen treffen.

Die derzeitige Situation ist anders. Wir haben keine Unsicherheiten, sondern Ungewissheit. Ungewissheit bedeutet, dass sich keine Wahrscheinlichkeiten ermitteln lassen. Das ist bei Situationen der Fall, die „so“ noch nicht stattfanden.

Soweit die Theorie. In der Praxis erlebt man das Rechnen von Wahrscheinlichkeiten eher selten. Vielmehr entscheiden erfolgreiche Menschen – nach sorgfältiger Überlegung – aus ihrem Bauchgefühl heraus.

Es klingt zwar banal, doch erweist sich diese Art des Entscheidens in der Praxis als sehr wirkungsvoll. Untersuchungen zur Entscheidungsfindung haben nämlich gezeigt, dass sehr wesentliche Themen dieses Bauchgefühl bestimmen:

  • Erfahrungswerte der Vergangenheit (positiv und negativ, plus/minus)
    Was hat funktioniert, was ist schiefgegangen?
  • Einschätzung der wahrscheinlichsten Entwicklung
  • Einschätzung der Auswirkungen auf Organisation, Kunden/Lieferanten usw.
  • Nebeneffekte

Außerdem: Erfolgreiche Unternehmer scheuen sich nicht, Fehler zu erkennen und Entscheidungen zu revidieren und zu korrigieren.
 

Corona – Entscheidungshilfen

Was werden makroökonomische Entwicklungen und Auswirkungen sein?
Zu erkennen sind folgende Tendenzen:

  • Die Erosion der Weltwirtschaft führt zu Wirtschaftseinbrüchen.
  • Die Politik wird durch Gelddrucken versuchen, die Wirtschaft „anzukurbeln“, was eine Inflation auslösen sollte.
  • Aber: Geringere Nachfrage am Realgütermarkt führt zu Preisdruck und Preisreduktionen.
  • Die hohen Staatsverschuldungen quer durch die entwickelten Länder lassen voraussichtlich keine wesentlich höheren Zinsen zu.
  • Ähnlich den letzten Jahren und den Erfahrungen nach 2008 wird dieses hohe Angebot an billigem Geld weiterhin zu einer hohen Nachfrage nach nicht vermehrbaren Gütern (Grund, Immobilien) und Wertpapieren führen (Kapital sucht Rendite!).

Die Verunsicherung der Menschen hemmt Kaufentscheidungen, das billige Geld und die schwächelnde Wirtschaft erfordern Anpassung der Unternehmen!

  • Wie wird sich Ihr Markt entwickeln? Welche Produkte, welche Dienstleistungen werden sich behaupten? Was bringt die besten Deckungsbeiträge/Aufschläge?
  • Welche Kunden? Welche Vertriebswege? Was werden Sie in Zukunft für wen machen, was nicht (mehr)?

Die erste Zeile Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung heißt „Umsatzerlöse“ und ist die wichtigste. „Alles andere ist primär!“ (So hat es ein berühmter Fußballer formuliert.)
 

Tipps zu den Ausgaben:

  • Die Preise für Waren und Dienstleistungen werden höheren Schwankungen unterliegen. Einerseits ergibt sich der Preisdruck durch den Ange­bots­überhang, andererseits ein Kostendruck bei Einkauf oder Produktion.
    Mögliche Maßnahmen: Absicherung von Preisen, zusätzliche Rabatte bei Vorauszahlungen, Anzahlungen, Teilzahlungen.
  • Bei den Personalausgaben müssen Sie im Fall von Umsatzrückgängen die Kosten für Mitarbeiter in nicht produktiven Bereichen schneller reduzieren als bei den produktiven Tätigkeiten! Maßnahmen sind Verlängerung der Kurzarbeit, Planung des prozentuellen Ausfalls in der Kurzarbeit, einvernehmliche Auflösung von Dienstverhältnissen usw.
  • Vorsicht beim Wiederhochfahren von Betrieben und Teilbetrieben:
    Optionsmöglichkeiten bei Kurzarbeit offenhalten!
     

Tipps zur Kurzarbeit:

  • Die Kurzarbeit kann auf bis zu sechs Monate verlängert werden. Auf der AMS-Website wurden neue Sozialpartnervereinbarungen für Erst- und Verlängerungsbegehren mit einem Kurzarbeitsbeginn ab 1. 6. 2020 (mit dem Kurzarbeitsantrag einzureichen) veröffentlicht. Diese sind für Erstanträge ab 1. 6. und für Verlängerungsanträge ab dem 4. Kurzarbeitsmonat zu verwenden.
  • Das AMS hat bekanntgegeben, dass eine rückwirkende Erstbegehrensstellung ab dem 1. Juni 2020 nicht mehr möglich ist. Neue Kurzarbeitsbegehren sind ab diesem Datum immer vor Beginn des Kurzarbeitszeitraums zu stellen.

Seit einigen Tagen ist über FinanzOnline der Antrag zur Gewährung der Fixkostenhilfe möglich. Dazu ist eine Verordnung ergangen. Der Fixkostenzuschuss wird über das Finanzamt und dann die COFAG abgewickelt. Es gilt (vermutlich) die Bundesabgabenordnung, andererseits entscheidet die COFAG auf privatrechtlicher Basis unter Beilegung der von der Finanzverwaltung erstellten Risikoanalyse!

Der Zeitraum des Umsatzausfalls wird festgelegt als 2. Quartal 2020 im Vergleich zum 2. Quartal 2019. Sie können aber alternativ den Umsatzausfall vom 16. des Monats bis 15. des Folgemonats, frühestens ab März, maximal für drei Monate, heranziehen (z.B. 16. 3. bis 15. 6.).

Grundsätzlich gilt der Leistungszeitraum für den Umsatzausfall, bei Einnahmen/Ausgaben-Rechnern gilt das Zu- und Abflussprinzip, wenn es zu keinen willkürlichen zeitlichen Verschiebungen kommt!

Folgende Kosten, die nicht wegverhandelt werden konnten, werden für den Betrachtungszeitraum zu 25 % bis 75 % (je nach Umsatzausfall) ersetzt:

  • Wertverlust saisonaler(??) Ware (tatsächlich realisierter Verkaufspreis abzüglich des Einkaufspreises)
  • Geschäftsraummieten und Pacht, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit(??) stehen
  • betriebliche Versicherungsprämien
  • Zinsen (nicht an verbundene Unternehmen)
  • Finanzierungskostenanteil bei Leasing (der Teil der Rate, der nicht der Wertminderung entspricht)
  • betriebliche Lizenzgebühren (nicht im Konzern)
  • Personalkosten, die ausschließlich(!!) die Bearbeitung von krisenbedingten Stornierungen und Umbuchungen (vermutlich Reisebüros, Tourismus, Hotellerie und Gastronomie) betreffen
  • Strom, Gas und Telekommunikation
  • angemessener Unternehmerlohn (zwischen 666,66 und 2.666,67 lt. letzter Veranlagung)
  • Aufwendungen für sonstige betriebsnotwendige vertragliche Zahlungsverpflichtungen, die nicht das Personal betreffen
  • abzüglich: Versicherungsleistungen

Bei einem beantragten Zuschuss bis 12.000 Euro ist keine Bestätigung des Steuerberaters notwendig, erst höhere Beträge erfordern solche Bestätigungen. Bei Anträgen zwischen 12.000 und 90.000 Euro und für die erste Tranche bis 19. 8. 2020 reicht die Bestätigung der Plausibilität aus.

Tipp für rasche Liquidität: Es kann eine erste Teiltranche beantragt werden, wobei Umsatzausfälle und Fixkosten geschätzt werden können.

Und: Bereiten Sie den Antrag über Finanz­Online vor (es sind etliche Seiten, Sie werden nicht sofort alle Daten, Bestätigungen und Nachweise verfügbar haben).

Vorsicht!
Keine Ausschüttung von Dividenden zwischen 16. 3. 2020 und 16. 3. 2021 von der den Antrag stellenden Gesellschaft! Bis 16. 6. 2021 wird eine „maßvolle Dividendenpolitik“ gefordert.

15. April 2020, Auszug aus Tipp 50

Das zweite COVID19-Maßnahmenpaket des Gesetzgebers bzw. der Bundesregierung soll die Unternehmen unterstützen, die Eindämmungsmaßnahmen gegen die CORONA-Viren zu überleben. Dienstnehmer, Pensionisten, öffentlicher Dienst sind gegen Einkommensausfälle weitgehend geschützt (Entgeltfortzahlung, uneingeschränkte Auszahlung von Pensionen und Löhnen/Gehältern, Nettolohngarantien bei Kurzarbeit, im schlechtesten Fall Arbeitslosengeld und/oder Insolvenzausfallsgeld). Für die Absicherung gesunder Unternehmer gibt es folgende Säulen:
 

  1. Härtefonds

    Einen Antrag für Unterstützung aus dem Härtefonds muss der Unternehmer selbst über die Wirtschaftskammer Österreich stellen. Es gibt keine Einschränkung auf Wirtschaftskammer-Mitglieder. Ausbezahlt werden – um persönliche Lebenserhaltungskosten abzudecken – maximal 2.000 Euro pro Monat (max. 80 % des verlorenen Einkommens) über maximal drei Monate.

    www.wko.at/service/haertefall-fonds-epu-kleinunternehmen.html
     
  2. Zwischenfinanzierung

    Durch die Republik Österreich (teilweise auch die Länder) werden direkt oder über das Austria Wirtschaftsservice (AWS), ÖHT und andere Rechtsträger Garantien für Bankkredite gegeben.

    VORSICHT! Die Finanzierung erfolgt über die (Haus-)Bank, bei dieser ist der Antrag zu stellen. Die üblichen Unterlagen (Verwendungszweck, Finanzplan, usw.) sind vorzulegen. Die Banken erhalten die Garantie nur, wenn zumindest 8 % Eigenkapital, bezogen auf die Bilanzsumme, oder weniger als 15 Jahre Schuldentigungsdauer, erreicht werden. Dies ist vom Steuerberater zu bestätigen.

    Die Bank darf diesen Kredit nur einräumen, wenn er – unter Beachtung der Garantie – wirtschaftlich darstellbar ist. Der Gesetzgeber lagert damit den gesamten Prüfungsprozess an die finanzierende Bank aus. Die Bank erhält als „Zuckerl“ die Garantie und braucht COVID19-Kredite nicht mit Eigenkapital unterlegen (was natürlich für das Institut vorteilhaft ist). Sie muss die verbleibenden 20 % Risiko darstellen können oder weitere Sicherheiten hereinholen. Manche Banken drängen inzwischen darauf, dass die Unternehmer möglichst Stundungen durch Finanzamt und Gesundheitskasse in Anspruch nehmen.

    TIPP: Unterscheiden Sie Formulare der Fördergeber (z. B. ÖHT, AWS), die formalen Charakter haben sowie die Aufgabe, die Fördergeber an deren Richtlinien zu binden, und Formulare der Bank. Die Formulare der Bank sind keine amtlichen Formulare und sollen die Kreditvergabe erleichtern!

    www.aws.at/aws-ueberbrueckungsgarantien/

    TIPP: Die Stundungen bei Finanzamt und Gesundheitskasse bis Ende Juni 2020 sind unkompliziert zu realisieren und kosten nichts. Sie müssen die Abgaben allerdings unbedingt melden und die Stundung beantragen.

    Achtung! Ende Juni 2020 warten die Sonderzahlungen – auch bei Kurzarbeitsmitarbeitern. Wenn Sie viele Stundungen nutzen, kommt zwischen 15. 6. 2020 und 15. 7. 2020 alles zusammen! Erstellen Sie einen Finanzplan! Ziehen Sie eine Zwischenfinanzierung in Erwägung (siehe Seite 1)!!

  3. Fixkostenzuschüsse
     

    Nunmehr sind die – vielfach notwendigen – Zuschüsse zu den Fixkosten in den Grundzügen geregelt. (Bei den Personalkosten kann ja über Kurzarbeit reduziert werden).

    Ab 15. 4. 2020 können Anträge auf Fixkostenzuschüsse im Rahmen der Covid19-Krise gestellt werden. Der Antrag muss bis zum 31. 12. 2020 registriert werden und kann dann bis 31. 8. 2021 konkretisiert und belegt werden.

    Ihr Unternehmen erleidet im Jahr 2020 während der Corona-Krise einen Umsatzverlust von zumindest 40%, der durch die Ausbreitung von COVID19 verursacht ist. Es wird also der Umsatz während der COVID19-Zeit mit dem Zeitraum 2019 verglichen!

    Sie müssen sämtliche zumutbaren Maßnahmen setzen, um die Fixkosten zu reduzieren und die Arbeitsplätze in Österreich zu erhalten, und Ihre Firma muss vor der Covid19-Krise ein gesundes Unternehmen gewesen sein (wieder die 8 % Eigenkapitalquote oder unter 15 Jahre Schuldentilgungsdauer).

    TIPP: 2019 die Jahresabschlüsse bald erstellen (lassen)!

    Wie hoch ist der Zuschuss?

    40–60 % Umsatzausfall: 25 % Ersatz der nicht reduzierbaren Fixkosten
    60–80 % Umsatzausfall: 50% Ersatzleistung …
    80-100 % Umsatzausfall: 75% Ersatzleistung

    Die Anträge werden eine Darstellung der tatsächlich entstandenen Fixkosten und der tatsächlich eingetretenen Umsatzausfälle zu enthalten haben. Die Angaben sind vor Einreichung vom Steuerberater/Wirtschaftsprüfer zu prüfen und zu bestätigen.

    Nach Feststellung des Schadens, somit nach Ende des Wirtschaftsjahres und Einreichung der Bestätigung des Steuerberaters bzw. Wirtschaftsprüfers über den Umsatzrückgang und ersatzfähige Fixkosten, soll ausbezahlt werden.

    Der Fixkostenzuschuss muss – vorbehaltlich korrekter Angaben betreffend Umsatz und Fixkosten – nicht rückerstattet werden. Er ist nicht zu versteuern, reduziert aber die abzugsfähigen Aufwendungen im betreffenden Wirtschaftsjahr.

Viele, viele Maßnahmen, im Gesetz, in der Verordnung, im Erlass …

Grundprinzipien:

  • Hemmung
    Ab 16. 3. bis Ende COVID-19 wird vieles „gehemmt“; das heißt, es werden Fristen nach hinten geschoben.
  • Anspruch auf weniger Geld
    Kann die Leistung nicht oder auch nur teilweise nicht erbracht werden, so liegt meist ein Anspruch auf Verringerung der Gegenleistung (Zahlung) vor.
    Verhandeln Sie, dokumentieren Sie!
  • Vertragsauflösung
    Nur in Ausnahmefällen, wenn die Leistung keinen Sinn ergibt (z. B. eine Bestellung von Osterware, wenn das Geschäft behördlich geschlossen ist).
  • Grundsätzlich bleiben alle rechtlichen Regelungen aufrecht, Verträge bestehen weiter, Dienstnehmer sind zur Leistung verpflichtet usw …
  • Gespräch/Antrag bei der Bank mit Finanzierungsanfrage (meist Kontokorrent), Finanzplan, Darstellung der Rückführung der Mittel
  • Die Bank beantragt mit dem Unternehmer die Garantie (z. B. beim AWS); diese betrifft beim AWS 80 % der Kreditsumme.
  • Vorlage der Bestätigung des Steuerberaters über 8 % Eigenkapital/15 Jahre Schuldentilgung
  • Ist der Kreditvertrag mit der Bank und der Garantievertrag mit dem AWS besiegelt, steht das Geld zur Verfügung.
     

Zur Abwicklung

Unter die Fixkosten fallen grundsätzlich Geschäftsraummieten (wenn der Mietzins nicht reduziert werden konnte und in unmittelbaren Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit steht), Versicherungsprämien, Zinsaufwendungen, betriebsnotwendige vertragliche Zahlungsverpflichtungen (die nicht reduziert werden konnten), Lizenzkosten, Betriebskosten, Zahlungen für Strom/Gas/Telekommunikation.

WICHTIG: Ein Wertverlust bei verderblichen/saisonalen Waren, sofern diese während der Covid-Maßnahmen mindestens 50 % des Wertes verlieren, zählt ebenso.

Dazu kommt ein angemessener Unternehmerlohn in Höhe von maximal 2000 Euro pro Monat (analog der Regelungen aus dem Härtefallfonds).

Die für eine Überprüfung benötigten Unterlagen müssen bei Verlangen ausgehändigt werden, um eine ordnungsgemäße Verwendung der Mittel sicherzustellen.

TIPP: Dokumentieren, dokumentieren …

VORSICHT: In den bisherigen Unterlagen und Informationen werden die Begriffe Zahlung, Ausgaben, Kosten usw. vermischt. Erfahrungs­gemäß wird es um periodengerechte Ausgaben gehen. Es wird daher hoffentlich keinen Einfluss haben, wann die Zahlung erfolgt (denn dann wäre es unsinnig, jetzt Stundungen zu beantragen), sondern nur die Frage, für welchen Zeitraum die Kosten entstehen. Ebenso beim Umsatz: Auch hier wird es hoffentlich nicht auf den Zahlungseingang ankommen, sondern auf den Leistungszeitraum!

21. März 2020, Auszug aus Tipp 49

Ein Übersetzungsversuch für Unternehmer

Die Bundesregierung hat – Stand vom 21.3.2020 – Maßnahmen getroffen, die das Fortbestehen der Unternehmen sichern sollen. In Gesamtbetrachtung scheinen diese Maßnahmen so gestaltet zu sein, dass bei konsequenter Umsetzung und Planung (soweit dies möglich ist) keine Zahlungsunfähigkeit wegen COVID-19 eintreten sollte.
 

  1. Kosten herunterfahren – Mitarbeiter


    Die Personalkosten machen – bezogen auf alle Kosten – bei den meisten Unternehmen zwischen 50 % und 80 % der Gesamtkosten aus. Die Personalkosten zu reduzieren ist daher das Gebot der Stunde.

    Ziel der Bundesregierung ist es, dass durch die Kurzarbeitsbeihilfe COVID-19 die Dienstnehmer so weit wie möglich bei den bisherigen Dienstgebern beschäftigt bleiben.

    Stellen Sie den Antrag auf Kurzarbeitsbeihilfe und vereinbaren Sie die Kurzarbeit mit Ihren Mitarbeitern, sinnvollerweise auf 10 % der bisher vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit. Die Kurzarbeitsbeihilfe deckt im Wesentlichen die Ausfallskosten der Mitarbeiter (inkl. Nebenkosten und anteilige Sonderzahlung).

    Die Beihilfe wird auf Basis des Entgelts mit Pauschalsätzen berechnet. Der Dienstgeber zahlt weiter die Überzahlung, Urlaubskonsumation, Krankenstände, sonstige Dienstverhinderungen und die tatsächliche Arbeitsleistung auf Basis des Bruttoentgelts vor Beginn der Kurzarbeit.

    Dienstnehmer erhalten „garantiert“ zwischen 80 % und 90 % vom vorherigen Nettobetrag, beschränkt durch die Höchstbeitragsgrundlage (5.370 € pro Monat brutto). Umfasst sind alle ASVG Dienstnehmer (somit auch Gesellschafter-Geschäftsführer mit max. 25 % Beteiligung und Lehrlinge).

    VORSICHT: Der Dienstgeber zahlt weiter zwischen 80 % und 100 % der Nettolöhne, er schuldet die gesamten Sozialversicherungsbeiträge und Lohnnebenkosten. (Diese sind zu melden und sollten gestundet werden.) Der Ersatz wird vom AMS nach Abrechnung innerhalb von 90 (!) Tagen bezahlt. Sie müssen bis dahin vorfinanzieren.

    Kündigung von Mitarbeitern ist die „Ultima Ratio“, wenn keine alten Urlaube vorhanden sind, Totalschließung unumgänglich ist usw.

    Bei einer einvernehmlichen Lösung mit Wiedereinstellungsvereinbarung besteht nach Meinung einiger Sozialpartner die Möglichkeit, Sonderzahlungen und Urlaub im Einvernehmen auf den Zeitpunkt des Wiedereintritts zu verschieben.
     

  2. Kosten herunterfahren – sonstige Kosten


    Wareneinkauf minimieren (klar …) und versuchen, alle Fixkosten zu reduzieren. Leasing und Versicherungen stunden lassen, KFZ stilllegen, Stundung von Kreditraten anstreben.

    Bei Miet- und Pachtverträgen stellt sich die Frage, ob § 1104 oder § 1105 ABGB anzuwenden ist: Kann das Bestandobjekt gar nicht oder teilweise nicht gebraucht oder benutzt werden, besteht ein Anspruch auf Mietzins­minderung. Zahlen Sie am 1.4.2020 die Miete, so verzichten Sie auf eine allfällige Mietzinsminderung. Empfehlung: Zahlen Sie jedenfalls unter „Vorbehalt wegen eingeschränkter Brauchbarkeit und allfälliger Rückforderung nach § 1104/1105 ABGB“. Teilen Sie das dem Vermieter mit.
     

  3. Zahlungsfähigkeit aufrechterhalten


    Schaffen Sie sich Liquidität! Halten Sie unbedingt die laufenden Zahlungen zu Lieferanten aufrecht. In den nächsten Monaten sind zu zahlen:

    • Lieferanten, Versicherungen, Mieten, Betriebskosten, …
    • Mitarbeiter – Nettolöhne
    • Sozialversicherung, Lohnsteuer, Nebenkosten


    Stundung beantragen: Finanzamt, Krankenkasse (kostenlose automatische Stundung bei Nichtbezahlung), Kommunalsteuer!

    Die notwendige Liquidität schafft man über

    Stellen Sie einen Antrag, sobald Sie einen Überblick haben. Sie müssen mehr als 8 % Eigenkapitalquote ausweisen und/oder eine Schuldentilgungs­dauer von unter 15 Jahren. AWS nimmt 80 % Haftung. Der Kredit kommt über die Hausbank (diese muss 20 % Risiko tragen).

    Schätzen Sie im Vorfeld ab, was im „Worst Case“ ihr Geldbedarf ist!

Nichts funktioniert „automatisch“, noch ist vieles unklar, der Teufel steckt im Detail.

Alle gesetzlichen Verpflichtungen gelten grundsätzlich weiter, ebenso Verträge und Vereinbarungen. Sie müssen Anträge stellen, Formulare ausfüllen, Meldungen vornehmen.

Ganz wichtig: Steuern und Abgaben müssen entweder gemeldet oder bezahlt werden, ansonsten hinterziehen Sie diese!

Die bürokratischen Hürden scheinen derzeit sehr niedrig zu liegen. Das wird nicht so bleiben, die Regierung möchte keinesfalls „Krisengewinner“ schaffen. Schon die Bundesrichtlinie zur Kurzarbeitsbeihilfe hat rund 20 Seiten. Sie müssen mit allen Mitarbeitern Vereinbarungen treffen, korrekt und zeitnahe Aufzeichnungen führen, um die Pauschalsätze ersetzt zu bekommen.

Wir unterstützen Sie gerne, Sie sind dennoch gefordert, die Grundaufzeichnungen möglichst korrekt bereitzustellen, um keine zusätzlichen Verluste bei Beihilfen und Förderungen zu erleiden.

 

 

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